1. Großherzogtum Baden 1839 - 1871


Stempel 1.1
01.11.1840 - 28.05.1861
Als am 1. Juli 1839 die erste offizielle Postkutsche die neue badische Landstraße Nr 29 befuhr, da fuhr sie praktisch am Ort St. Georgen vorbei. Die neue Straße verlief unterhalb der Stadt, wie das auch heute noch bei der B 33 der Fall ist. Das Großherzogliche Staatsministerium hatte die Straße als Fernstraße konzipiert und sie bei allen Orten zwischen Hornberg und Villingen aus den Ortskernen herausgehalten. Wer zur "Posthalterey" wollte, musste hinab ins Tal, wo der damalige Löwenwirt M. Haas nach einer Genehmigung durch die Ober-Post-Direction aus Karlsruhe vom 4. Mai 1838 ein hinlänglich geräumiges Posthaus nebst einer Gastwirtschaft und den erforderlichen Stallungen für die Pferde errichtet hatte. Zur Ausstattung seines Büros gehörte auch der erste amtliche Poststempel, der im oben stehenden Textfeld
Stempel 1.1 rot
gezeigte schlichte Einzeiler; er zeigt nur den Ortsnamen, reichte also für den Postbeamten am Empfangsort für die Portoberechnung völlig aus. Der Stempel kommt meistens in schwarz vor, in einigen Fällen auch in rot. Festgestellt habe ich ihn in der im Textfeld angegebenen Zeit. Natürlich muß er auch früher benutzt und kann noch später verwendet worden sein, allein das lässt sich bis dato noch nicht belegen. Besonders reizvoll müsste es sein, einen "Ersttagsstempel" vom 1.7.1839 zu finden. Da der Stempel kein Datum trägt, kann man das nur anhand von Sekundärmerkmalen feststellen, z.B. durch das Datum des dazugehörigen Schreibens, wenn es noch erhalten ist. Eine Datumsangabe im Stempel war bei dem insgesamt geringen Briefaufkommen nicht nötig, denn die Briefe wurden einzeln in Listen eingetragen, die mit der Post befördert wurden und als Nachweis für die Einlieferung mit Datum und Ort genügten .

Stempel 1.2
Fünfringstempel
20.02.1854 -
18.07.1867
Am 1. Mai 1851 gab das Großherzogtum Baden - dem Beispiel einiger anderer Staaten folgend - seine ersten Briefmarken heraus. Man dachte aber beileibe nicht daran, die bisherigen Ortsstempel zur Entwertung dieser Marken zu verwenden, sondern gab dazu für jedes Postamt einen speziellen Fünfringstempel heraus, in dessen Innenkreis eine Zahl stand. Die Zuordnung erfolgte in alphabetischer Reihenfolge nach der damaligen Liste der Postorte in Baden. Für St. Georgen ergab sich die Zahl 124. Dieser Stempel wurde also auf der Briefmarke abgeschlagen, während der bisherige Ortsstempel daneben gesetzt werden mußte - eine etwas umständliche und für uns heute schwer zu verstehende Prozedur. Natürlich gab es auch Abweichungen, wenn die Stempel nicht bestimmungsgemäß verwendet wurden, meistens wohl unbeabsichtigt, aber solche Fehler werden heute schon fast als Raritäten behandelt und teilweise hoch bewertet.

Mit der Einführung von Briefmarken mußte das Porto vom Absender entrichtet werden; der Ortsstempel wurde nicht mehr zur Gebührenermittlung benötigt. Auf der anderen Seite nahm die Zahl der Briefsendungen so stark zu, dass man sie nicht mehr alle in Listen eintragen konnte.
Stempel 1.3
Zweikreisstempel
mit Zierkreuz unten
13.02.1856 - 09.02.1870
Stempel 1.4
Zweikreisstempel
mit Zierstern unten
21.04.1869 - 21.07.1870
Zur Laufzeitkontrolle waren aber Zeitangaben nötig, zunächst nur Tag und Monat, später auch Stunde und Jahreszahl. Dazu verwendete man anfangs Zweikreisstempel und setzte Tag und Monat in die Mitte des inneren Kreises. Dabei handelte es sich um Einstecktypenstempel, auch Einsatzstempel genannt. Die variablen Lettern - also Datum und Monat - waren auf Stecktypen angebracht und mussten je nach Bedarf täglich bzw monatlich ausgewechselt werden. Zur Zierde tragen die beiden St. Georgener Stempel dieses Typs im unteren Teil ein Kreuz oder einen Stern. Beide Stempel gibt es häufig, aber meist nur auf losen Briefmarken; zu einer vollständigen Datumsbestimmung braucht man den dazugehörigen Umschlag oder den eigentlichen Brief mit der Jahreszahl - und daran hapert es. Entsprechend schwierig ist es, den Verwendungszeitraum festzustellen.

Stempel 1.4
mit Uhrradstempel
Ein interessantes Kapitel sind die wegen ihres Aussehens und ihres speziellen Einsatzzweckes sogenannten badischen Uhrradstempel. Mit steigendem Postaufkommen wuchs die Post immer mehr in die Fläche. Die großherzogliche Postverwaltung richtete deshalb mit der Verordnung vom 24.2.1859 die "Landpostanstalt" ein zur Versorgung der ländlichen Räume. Sie erfolgte durch Postboten, die in bestimmten Abständen festgelegte Routen bedienten. Unterwegs waren "Briefladen" - ähnlich unseren heutigen Briefkästen - aufgestellt, in denen immer ein Stempel mit einer festgelegten Zahl und am Umfang einer Art Zahnkranz deponiert war. Dort konnte das Publikum frankierte Briefe einwerfen. Bei der Entnahme mußte der Postbote den Brief neben der Briefmarke mit diesem Stempel versehen, so dass man später rückverfolgen konnte, welcher Brieflade er entnommen worden war. Die Marke selbst wurde erst im Postamt abgestempelt. Das dargestellte Beispiel beweist, dass es auch in St. Georgen einen solchen Landbotendienst gab; Dieter Klepper hat in seinem Buch "St. Georgen den Hauptpässen nahe", S. 178, den Bereich mit Brigach, Buchenberg, Langenschiltach, Peterzell und Stockburg angegeben. Die genauen Routen und die Standorte der einzelnen Briefladen kennt man allerdings nicht mehr.

Stempel 1.5
Einkreisstempel
27.09.1870 - 05.03.1874
So lange es pro Tag nur einen Postabgang gab, genügte das Datum zur Laufzeitkontrolle noch ohne Stundenangabe. Besonders mit dem Bau der Eisenbahnen war es aber ohne Schwierigkeiten möglich geworden, an vielen Orten mehrere Postabgänge täglich einzurichten, so dass man wiederum zur Überwachung der Laufzeiten auch die Uhrzeit heranzog. Form, Aussehen und Größe des Stempels waren noch nicht genormt; noch zur badischen Zeit kam es zu einem Einkreisstempel; auch er war wiederum ein Einstecktypenstempel, dessen Uhrzeit-Stecktypen sogar mehrmals täglich ausgetauscht werden mussten. Die Uhrzeit wurde 12stündig angegeben und zur Unterscheidung mit "V" für Vormittag und "N" für Nachmittag ergänzt. Bei späteren Stempeln kam auch noch die Jahreszahl hinzu.