3.3.6. Postagenturen


Wie schon im Eingangsteil erwähnt war die Post bis 31. Dezember 1994 ein Monopolbetrieb des Staates. Über Jahre hinweg war sie ein Zuschussbetrieb, dessen Defizite aus dem allgemeinen Staatshaushalt getragen werden mussten. Es gab deshalb nicht nur in Deutschland Bestrebungen zur Liberalisierung mit dem Ziel, diese bisher hoheitlichen Aufgaben auf private Firmen zu übertragen; als erster Schritt dazu wurde nach jahrelangen Vorbereitungen die bisherige Bundespost in drei privatrechtliche Gesellschaften aufgeteilt (Post AG, Telekom, Postbank). Während die Telekom schon seit längerem weitgehend privatisiert ist - der Staat verkaufte seine Anteile zu einem gewissen Prozentsatz in Form von Aktien - sind bei der Post AG, die inzwischen wieder mit der Postbank vereinigt wurde, die ersten Aktien an Private Ende 2000 abgegeben worden. Der Staat ist noch Mehrheitsbesitzer. Die weiteren Schritte zur Privatisierung stehen also noch bevor. Ungeachtet dessen agiert die Deutsche Post AG am Markt schon wie ein privater Wirtschaftsbetrieb.

Eine ihrer Sparmaßnahmen war und ist die Auflösung bisheriger kleiner Postämter - jetzt Filialen genannt. Ihre Aufgaben sollten unter der Regie der Post von Privatgeschäften als Nebenerwerb übernommen werden, um die Personalkosten zu reduzieren. Diesen Stellen gab man den Namen "Agenturen", eine Bezeichnung, die es für ähnliche Einrichtungen schon einmal zur Zeit der Reichspost gegeben hatte.

Für die Stempel hatte man sich eine ganz neue Reihe von Unterscheidungsbuchstaben ausgedacht, bestehend aus zwei Buchstaben, alle mit "z" beginnend und die zweite Stelle alphabetisch rückwärts gehend von "z" nach "a", also "zz", "zy", "zx" usw. Im Aussehen stimmen sie sonst aber mit den "normalen" Tagesstempeln überein.

Stempel 3.3.6.10
Die erste Agentur in St. Georgen wurde am 17. Januar 1994 eröffnet, also gleich nach der Schließung des Postamts 2 am Rupertsberg. Sie war im Edekageschäft Hammer auf der Seebauernhöhe etabliert. Zunächst war die Agentur bei der Eröffnung mit zwei Stempeln ausgerüstet, davon einem Rechteckstempel aus Gummi. Er zeigt in den beiden oberen Zeilen die PLZ und das leitende Postamt; die dritte zeigt das Datum, das von Hand eingetragen werden musste. Die vierte Zeile schließlich weist eine postalische Kennzahl auf, die sich wie folgt zusammensetzt:

17.01.1994-31.07.1994



1. und 2. Ziffer: zuständige Direktion, hier "16" für Freiburg

3. und 4. Ziffer: für die Abrechnung zuständige Postfiliale mit Verwaltung

5. und 6. Ziffer: Abrechnungsnummer für Postagenturen, normal 99

7. bis 10 Ziffer: Nummer der Agentur, von 9101 aufwärts zählend


Dieser Stempel war nicht für die Entwertung von Briefmarken gedacht, sondern nur für interne Zwecke wie Gebührenzettel, Paketkarten usw. Den Abgangsstempel erhielten alle Briefsendungen auf der leitenden Postfiliale, also in St. Georgen 1.
Neben diesem Stempel gab es einen zweiten, einen Einkreisstempel aus Stahl, dessen Maße, Form und Inhalt sich bis auf die oben erwähnten besonderen Unterscheidungsbuchstaben nach den Charakteristika der genormten Aufgabestempel richteten. Er war zunächst nur für Zwecke der Postbank gedacht. Der rechteckige Gummistempel wurde schon bald wieder abgeschafft; ab dem 1. August 1994 gab es nur noch den Rundstempel. Das Edeka-Geschäft ging am 1.10.1994 in den Besitz eines Herrn Bergmeier über, der die Postagentur mit übernahm und den bisherigen Stempel weiterverwendete. Er musste am 7.3.1995 sein Geschäft aufgeben; es wurde als Firma Reckermann von der EDEKA bis zum 11.11.2000 weitergeführt, die jedoch die Postagentur nicht mit übernahm.
Stempel 3.3.6.1
Ub zz
17.01.1994 - 22.12.1994


Stempel 3.3.6.4
Die zweite Postagentur gab es in Langenschiltach ab dem 6. November 1995 im Lebensmittellädele von Sylvia Föhrenbacher, Im Tal 43. Ihr Stempel trug den Ub zw, was von der Reihenfolge her unverständlich ist, denn der Buchstabe vor dem bereits vergebenen "z" wäre "y" gewesen. Es darf spekuliert werden. Die Agentur brachte der Post zu wenig Umsatz, so dass selbst die relativ niedrige Agenturprovison sich wirtschaftlich gesehen nicht trug. Als Frau Föhrenbacher ihr Geschäft aufgab, wurde auch die Agentur am 31.05.1999 geschlossen. Seit dieser Zeit wird Langenschiltach vom mobilen Postservice versorgt.
Ub zw
06.11.1995 - 31.05.1999


Die dritte Agentur übernahm das Edeka-Geschäft Holzky am 13.Januar 1997 in Peterzell. Dabei ergab sich eine faustdicke Überraschung. Am ersten Tag war sie mit dem Stempel 3.3.6.20 ausgerüstet. Dem versierten Betrachter fällt auf den ersten Blick auf, dass er gleich drei Fehler enthält:

1. der Ortsname ist unvollständig

2. die Unterscheidungsbuchstaben waren schon einmal vergeben

3. hinter dem "ST" erscheint wieder der verbotene Punkt


Das waren dem bei der Eröffnung anwesenden und für die Einrichtung der Agentur zuständigen Postler der Ungereimtheiten zu viele. Nach interner Recherche ließ er flugs einen neuen Stempel anfertigen, der dann auch schon ab 7. Februar eingesetzt werden konnte. Immerhin bescherte dies den St. Georgenern den Stempel mit der kürzesten Verwendungszeit ihrer Geschichte; entsprechend rar dürfte er auch sein.
3.3.6.20
Ub zz
13.01.1997 - 06.02.1997
Stempel 3.3.6.2
Ub zy
07.02.1997 - 28.02.1998


Stempel 3.3.6.3
Als Ersatz für die Agentur im Edeka-Geschäft auf der Seebauernhöhe übernahm nach einer längeren Pause ohne Post in diesem Neubaugebiet am 15.09.1997 die Bäckerei Hoch die Postgeschäfte. Dort blieben sie etwa drei Jahre lang, bis die Bäckerei per 31.07.2000 den Vertrag kündigte. Man hatte einen Stempel mit dem Ub zx erhalten.
Ub zx
15.09.1997 - 31.07.2000


Die bisher letzte Änderung auf dem Gebiet der Postagenturen ergab sich, was den Stempel betraf, von der Öffentlichkeit unbemerkt. Mit Wirkung vom 1. März 1998 verkaufte die Firma Holzky ihr bisheriges Geschäft in Peterzell an Elisabeth Kammerer , die auch die Postagentur mit übernahm. Sie erhielt dazu einen neuen Aufgabestempel mit dem Ub zv, obwohl die Agentur ohne Unterbrechung am selben Platz weitergeführt wurde, während der bisherige Stempel mit dem Ub zy offensichtlich eingezogen wurde. Beim Übergang der Agentur vom Edeka-Geschäft Hammer auf der Seebauernhöhe auf den neuen Inhaber Bergmeier hatte man den Stempel unverändert gelassen (vgl. 3.3.6.1). Es ist dies die einzige Agentur im ganzen Gemeindegebiet, die bis heute weiter arbeitet und damit neben der Postfiliale am Markt 4 für den Publikumsverkehr zur Verfügung steht.
Stempel 3.3.6.5
Ub zv
02.03.1998 - 07.09.2001