6. Sonderstempel


Der Briefmarkensammler unterscheidet zwischen Freimarken (Dauerserien) und Sondermarken. Letztere werden aus einem einmaligen Anlass herausgegeben, danach verschwinden sie wieder vom Postschalter, während Freimarken meist über einen längeren Zeitraum unverändert erhältlich sind. Daneben gibt es auch die Möglichkeit, auf ein Jubiläum, eine Veranstaltung oder ein spezielles Ereignis durch einen Sonderstempel hinzuweisen. Die Post hat dazu ganz bestimmte Vorschriften erlassen, die sowohl die äußere Form als auch den Schrift- und Bildinhalt festlegen. Außerdem kann nicht jeder Privatmann einen solchen Stempel beantragen; sie sind Organisationen, Körperschaften des öffentlichen Rechts usw. vorbehalten. Sonderstempel sind auf ein bestimmtes Datum fixiert - das allerdings auch mehrere Tage umfassen kann. Aus Sammlerzwecken können sie auch danach noch für eine begrenzte Zeitspanne abgegeben werden, aber nur mit dem festgelegten Datum.

Bei der Gestaltung dominiert der Ovalstempel, der natürlich schon durch seine Form und seine Größe auffällt. In St. Georgen wurde er bisher aus zwei Anlässen benutzt, nämlich beim 50jährigen Bestehen des Briefmarkensammlervereins und beim 900-Jahr-Fest der Gemeinde.

Stempel 6.1
Obwohl der Briefmarkensammlerverein St. Georgen nach neueren Erkenntnissen 1932 gegründet wurde, nennt er in seinem vollen Namen das Jahr 1931 als Datum seines Entstehens; demnach hat er auch 1981 seinen 50. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass gab es in der Bergstadt das erste Sonderpostamt und den ersten Sonderstempel; er durfte nach den Vorschriften der Post aber im Schriftbild nicht auf das Jubiläum direkt Bezug nehmen, sondern auf die gleichzeitig stattfindende Briefmarkenausstellung. Als Symbol zeigt er ein landschaftsbezogenes Wappen, das durch das Georgskreuz auf die Gründung des Ortes ursprünglich als Benediktinerkloster hinweist. Am Fuß des Kreuzes symbolisiert der Dreiberg die Höhenlage über 800 m über NN, die Tannen mit der dazwischen aufgehenden Sonne charakterisieren die sonnige Bergstadt. dass der Stempel hinter dem "ST" wieder den verbotenen Punkt aufweist, sei nur am Rande erwähnt.
Ellipsenstempel mit Segmenten ou


Das Kloster St. Georgen wurde 1084 gegründet. Davon leitet die heutige Gemeinde auch ihr Alter ab und hat es im Jahre 1984 als 900jähriges Bestehen gefeiert. Der zweite Sonderstempel in St. Georgen, diesmal nur mit einem speziellen Briefkasten, hat die gleiche Form und die gleichen Maße wie der erste, unterscheidet sich aber durch einen Kurzsteg, so dass oben und unten anstelle der Segmente ein offener Raum entsteht. In der Mitte der Datumszeile zeigt er das Siegel des Kerngerichts, wie es an einer Urkunde vom 22.12.1540 angebracht ist, die sich heute im Generallandesarchiv in Karlsruhe befindet. Das Dokument belegt, wie sich eine Katharina Gryshaber, geb. Wehrlin, freiwillig in die Leibeigenschaft des Klosters St. Georgen begibt. Das Kerngericht war für öffentliche lokale Rechtsfälle zuständig, kann also als Vorläufer der Gemeindeverwaltung und das Kernsiegel damit als Urahn des Gemeindesiegels angesehen werden.
Stempel 6.2
Ellipsenstempel mit Kurzsteg